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7|KSWD „Forschung. Daten. Infrastruktur“: Statistik als Beitrag zur Demokratie

Pressemitteilung, 15.02.2017

Am 8./9.2.2017 fand in Berlin die 7. Konferenz für Sozial- und Wirtschaftsdaten (7|KSWD) des RatSWD statt. Wissenschaft und Politik diskutierten den zukünftigen Bedarf und die Anforderungen an Forschungsdateninfrastrukturen. Die zunehmende Relevanz statistischer Fachkompetenz angesichts des digitalen Wandels wurde deutlich. Die Gesellschaft benötigt in Zeiten von „postfaktischen“ Realitäten mehr denn je evidenzbasierte Entscheidungsgrundlagen.

Der RatSWD hat in den Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftsforschung einen großen Beitrag zum Aufbau einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur geleistet. Er ist damit prädestiniert, Teil eines kohärenten und vernetzten Wissenschaftssystems zu sein.

Zur nunmehr siebten Konferenz für Sozial- und Wirtschaftsdaten kamen mehr als 330 Vertreterinnen und Vertreter aus etwa 150 verschiedenen Einrichtungen aus Politik und Wissenschaft in Berlin zusammen, um sich über den zukünftigen Bedarf an Forschungsdateninfrastrukturen in den Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaften auszutauschen. Unter dem Titel „Forschung. Daten. Infrastruktur.“ hat der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) aktuell relevante Themenfelder aufgegriffen: die Digitalisierung sowie die empirische Migrations- und Integrationsforschung. Im Rahmen von neun Foren wurden mit Beiträgen ausgewiesener Expertinnen und Experten zudem neueste Forschungsergebnisse vorgestellt und diskutiert. Die Themen der Foren reichten vom Zensus über Panelsurveys und die Potenziale von Bildungs- und Firmendaten bis zu Fragen des Datenmanagements, der Forschungsorganisation und ethischer Begutachtungsprozesse. Dieses umfassende Konferenzprogramm spiegelte die Bandbreite der Themen und Aktivitäten des RatSWD wider.

Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen (Bundesministerium für Bildung und Forschung) betonte in ihrem eröffnenden Keynote-Vortrag den Zusammenhang von Nationaler Forschungsdateninfrastruktur und erfolgreicher Digitalisierung der Wissenschaft. Eine übergreifende und vernetzte Infrastruktur müsse in den kommenden Jahren von Bund und Ländern im Dialog mit der Wissenschaft ausgestaltet werden. Frau Professorin Regina T. Riphahn, Ph.D., Vorsitzende des RatSWD, sieht den Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten hier in einer Vorreiterrolle. Er hat als Beratungsgremium und gemeinsam mit den aktuell 30 akkreditieren Datenzentren in den letzten Jahren einen wesentlichen Beitrag für den Aufbau einer effizienten Infrastruktur und eines national und international qualifizierten Kompetenzpools geleistet. Die Verankerung in der Wissenschaft und das große Interesse an den Aktivitäten des RatSWD wurden mit der hohen Beteiligung an der aktuellen Wahl deutlich: Die wissenschaftlichen Vertreterinnen und Vertreter des RatSWD wurden für die 6. Berufungsperiode von insgesamt 3001 Wählerinnen und Wählern aus den Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaften sowie weiterer Fachdisziplinen legitimiert.

Im Rahmen der 7|KSWD zeigte Professor Dietmar Harhoff, Ph.D. (Direktor Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb und Vorsitzender der Expertenkommission „Forschung und Innovation“), dass der digitale Wandel verschiedenste Sektoren, Branchen und Organisationen erfasst hat. Innovationen trügen zwar einerseits zu Wohlstand sowie verbesserten Lebensbedingungen bei, seien andererseits jedoch hochgradig davon abhängig, dass sie kompetent genutzt werden. Auch Professor Dr. Klaus Tochtermann (Direktor des ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft; Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) betonte in seinem Vortrag, dass Data-Sharing und die Nachnutzung von Daten starker stärker honoriert und die Ausbildung und Karrierechancen von Datenexperten und -expertinnen signifikant verbessert werden sollten. Professor Dr. Gerd Gigerenzer (Direktor Max-Planck-Institut für Bildungsforschung) und Walter Radermacher (ehemaliger Generaldirektor von Eurostat und ehemaliger Präsident des Statistischen Bundesamtes) unterstrichen den steigenden Wert von Daten und Informationen in Zeiten zunehmender Digitalisierung. Die Referenten bekräftigten dabei die Bedeutung des kompetenten Umgangs mit Daten („datacy“ bzw. „Data Literacy“) und formulierten einen Bedarf an gezielt ausgebildetem Personal. Sie reflektierten hierbei insbesondere die Notwendigkeit der qualifizierten Sammlung, Bereitstellung und kritischen Auswertung von Informationen.

Komplexe Phänomene wie Migration und Integration bedürfen umfassender empirischer Analysen, insbesondere, um fundierte Grundlagen für politische Entscheidungen zu bieten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie der Wissenschaft unter den Regularien des Datenschutzes Zugang zu den wichtigen, aber häufig nicht originär für die Forschung erhobenen Migrationsdaten ermöglicht werden kann. Diese Herausforderung diskutierten Ministerialdirektor Norbert Seitz (Abteilungsleiter „Migration, Flüchtlinge; Rückkehrpolitik“ im Bundesministerium des Innern) und Dr. Uta Dauke (Vizepräsidentin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge) und stellten die bestehenden Zugangsmöglichkeiten zu Migrationsdaten für Forschungszwecke vor. Hierzu sollen die Kooperationen mit wissenschaftlichen Partnern zukünftig noch stärker ausgebaut und der Datenzugang für die Forschung im Rahmen eines Forschungsdatenzentrums institutionalisiert werden.

Das Lebenswerk von Johann Hahlen (Staatssekretär a. D. und ehemaliger Präsident des Statistischen Bundesamtes) und Eckart Hohmann (ehemaliger Präsident des Hessischen Statistischen Landesamtes) wurde im Rahmen der Gustav von Schmoller-Vorlesung geehrt. Beide haben mit großem Engagement nicht nur während der Gründungsphase des RatSWD die amtliche Statistik auf innovative Weise geprägt und sich im besonderen Maße für deren Öffnung für die Wissenschaft eingesetzt. Herr Hohmann berät den RatSWD zudem seit vielen Jahren zu Rechtsfragen, insbesondere zur EU-Datenschutzreform. Mit seinen Laudationes würdigte Professor Dr. Karl-Ulrich Mayer (ehemaliger Direktor Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und ehemaliger Präsident der Leibniz-Gemeinschaft) die Verdienste von Herrn Hahlen und Herrn Hohmann.

Die Vielfalt des über den RatSWD akkreditierten Datenangebots wurde im Rahmen der Konferenz deutlich. Die Datenzentren präsentierten sich u. a. mit humorvollen Pecha Kucha Kurzvorträgen. Im Rahmen einer Posterpräsentation stellte der wissenschaftliche Nachwuchs innovative Forschungsansätze vor, welche auf dem Datenangebot der Forschungsdatenzentren aufbauen.

Als Ausgangspunkt für die 6. Berufungsperiode des RatSWD bot die 7|KSWD zahlreiche Impulse für dessen zukünftige Arbeit. Zahlreiche Präsentationen der Konferenz sind bereits auf der Konferenzwebseite verfügbar.

Die Keynote-Vortrag von Frau Staatssekretärin Quennet-Thielen (BMBF) findet sich unter: https://www.bmbf.de/de/digitalisierung-zeitenwende-fuer-die-forschung-3854.html
Die Ergebnisse der Wahl der Berufungsvorschläge der 6. Berufungsperiode des RatSWD ist einsehbar unter: https://www.ratswd.de/wahl

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Der Rat für Sozial-und Wirtschaftsdaten (RatSWD)
ist ein unabhängiges Gremium von empirisch arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Universitäten, Hochschulen und anderen Einrichtungen unabhängiger wissenschaftlicher Forschung sowie von Vertreterinnen und Vertretern wichtiger Datenproduzenten. Er wurde 2004 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit der Zielsetzung eingerichtet, die Forschungsdateninfrastruktur für die empirische Forschung nachhaltig zu verbessern und somit zu ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit beizutragen.