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Veranstaltungsbericht - "So lügt man mit Statistik"

Prof. Dr. Walter Krämer am 23. Juni 2011 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

 

"So lügt man mit Statistik"

Für den etwas reißerischen Titel seines Vortrags entschuldigte sich der durch seine zahlreichen Buchpublikationen („Lügen mit Statistik“, „Statistik verstehen“, „Lexikon der populären Irrtümer“) bekannte Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik Walter Krämer, aus Dortmund, gleich zu Beginn. Ziel seiner Ausführungen sei es nicht, eine offene Aufforderung auszusprechen mit Statistik die Unwahrheit zu sagen.

Vielmehr demonstrierte Walter Krämer anhand zahlreicher Beispiele, wie wir tagtäglich hinters Licht geführt werden: Da wird aus einer Erhebung, die besagt, dass 50% der Wohnungen einer bestimmten Stadt als Einpersonenhaushalte gemeldet sind, die Schlagzeile, dass die Hälfte aller Einwohner Singles seien. Auf den ersten Blick plausibel klingend, doch beim zweiten Hinsehen sollte man stutzig werden, denn die 50% der Wohnungen, bei denen es sich um nicht alleinbewohnten Wohnraum handelt, wird ja quasi selbstredend von viel mehr Personen bewohnt...

So gilt als ein Klassiker der fehlgeleiteten Statistik die falsch gezogene Stichprobe. Eine Erhebung von Studierenden zu den in Berlin ausgeübten Berufen kam zu dem Ergebnis „Ein Drittel aller Berliner sind Hausmeister“. Natürlich kann dies das Ergebnis sein, wenn vormittags Parterre geklingelt wird...

Doch es sind längst nicht nur Hausmeister und Singles, über die auf diese Weise Fehlaussagen getroffen werden. Gerade Journalisten interpretieren Statistiken über ernstere Themen wie Armut, Säuglingssterblichkeit und Krebs oft falsch und ohne Blick auf den Erhebungskontext.

Krämer ließ am Ende eines sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Vortrags keinen Zweifel daran: Wir alle sind so konditioniert, dass Zahlenwerte, besonders wenn es große Werte mit Genauigkeit vortäuschenden Nachkommastellen oft nicht hinterfragt werden und vermeintliche Kausalverbindungen als gesetzt genommen werden.

Doch so ernüchternd und erkenntnisreich der Vortrag auch war, das Fazit des Vortragenden konnte wieder Mut machen: Alle Fälschungen, Lügen, Notlügen in der Statistik –anders als in anderen Disziplinen- fliegen irgendwann auf.

Beim anschließenden Empfang auf der Dachterrasse der Akademie über den Dächern von Berlin wurde noch lange und angeregt über statistische Annahmen und Fehlannahmen diskutiert.