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(Un-)Statistik: Irreführende Zahlenbotschaften

Donnerstag 09.02.2017 | 09:00–09:45

Prof. Dr. Gerd Gigerenzer
(Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung)
pdfVortrag

Wenn wir in unserer technologischen Demokratie mündige Bürger haben möchten, dann sollten wir sie in die Lage versetzen, informiert und entspannt mit Risiken umzugehen. Dafür tun wir erstaunlich wenig. Die meisten Menschen haben nie gelernt, Risiken abzuschätzen und statistisch zu denken. Viele Journalisten, Politiker und Experten operieren mit irreführenden Zahlen – manchmal ungewollt, weil sie es selbst nicht verstehen, manchmal bewusst, um andere zu manipulieren. Diese kollektive Zahlenblindheit führt dazu, dass die Bevölkerung panische Angst vor Gefahren hat, die kaum existieren, aber blind ist für jene, die Jahr für Jahr viele Leben kosten. Unsere Gesellschaft feiert digitale Medien, Big Data und andere Technologien und übersieht dabei, dass die meisten Menschen gar nicht verstehen, was die Ergebnisse und Zahlen überhaupt bedeuten. Um ein wenig zur Aufklärung beizutragen, schreibe ich gemeinsam mit dem Ökonom Thomas Bauer und dem Statistiker Walter Krämer die „Unstatistik des Monats“ (siehe unstatistik.de). Darin wird anhand eines aktuellen Medienberichts erklärt, wie sich Zahlen kritisch beurteilen lassen oder mit welchem Trick der Leser gerade wieder einmal in die Irre geführt wird. Was bedeutet es, wenn es heißt, im Januar sei es um 337% zu warm? Welche Gefahr besteht tatsächlich, wenn die WHO uns warnt, dass der Konsum von 50g Wurst täglich das Risiko von Darmkrebs um 18% erhöht? Was soll man davon halten, wenn Microsoft-Wissenschaftler behaupten, dass sie mit Hilfe ihrer Suchmaschine Bing Bauchspeicheldrüsenkrebs erkennen können? Oder was hat Klaus Wowereit gemeint, als er kurz vor seinem Rücktritt als Regierender Bürgermeister von Berlin versicherte, dass der Flughafen BER zu 98% fertig sei? Innovation in Technologie hilft wenig, wenn wir nicht gleichzeitig in risikokompetente Menschen investieren.

Moderation: Prof. Dr. Thomas K. Bauer (Ruhr-Universität Bochum; Vizepräsident RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung)