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Digitalisierung als Chance: Potentiale von Registermodernisierung und textbasierter Forschung nutzen

Pressemitteilung, 07.03.2018

Der RatSWD verstärkte auf seiner 48. Sitzung am 01./02.03.2018 den Austausch über die Modernisierung der deutschen Registerlandschaft, insbesondere zur Etablierung eines bundesweiten Mortalitätsregisters. Der RatSWD begrüßt die große Dynamik der auf Textkorpora basierenden Forschung und setzt sich für eine Verbesserung der Infrastruktur ein, so dass eine breitere Nutzung textbasierter Forschungsdaten ermöglicht wird. Ein zusätzliches Potential bei der Verknüpfung mit etablierten Befragungsstudien und durch automatisierte Analysetechniken ist zu erwarten.

Im Rahmen seiner 48. Sitzung hat der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) seine Aktivitäten zum Thema Registermodernisierung fortgesetzt. Bereits im Oktober 2017 hatte der RatSWD das Gutachten des Normenkontrollrats dezidiert als einen wichtigen Beitrag zur Registermodernisierung begrüßt. Mit Hilfe qualitätsgeprüfter Registerdaten können gesellschaftlich und wirtschaftlich relevante Prozesse erkannt, die Politik evidenzbasiert beraten und gleichzeitig Qualitätsmängel in den Registern festgestellt werden. Entsprechend dem vorliegenden Koalitionsentwurf der Großen Koalition steht auch die Registermodernisierung auf der Agenda der designierten Bundesregierung. In diesem Rahmen sollte die unabhängige wissenschaftliche Forschung einen Zugang zu den Registern erhalten. Der RatSWD empfiehlt, bei anstehenden Gesetzesinitiativen zu einer Modernisierung und Digitalisierung von Registern einen möglichst niederschwelligen, klar geregelten und datenschutzkonformen Zugang der Wissenschaft als gesetzlich fixierten Standard grundsätzlich vorzusehen.

Zur Weiterentwicklung der Registerlandschaft in Deutschland müssen neben den übergeordneten Strukturen jedoch auch die einzelnen Register und ihre Datengrundlagen in die Überlegungen einbezogen werden. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Etablierung eines bundesweiten, qualitätsgesicherten Mortalitätsregisters, wozu im RatSWD ein gesonderter Austausch stattfand. Der RatSWD hat festgestellt, dass Deutschland im internationalen Vergleich zum Thema Mortalitätsregister Nachholbedarf aufweist. Der RatSWD unterstrich gleichzeitig die Relevanz eines Mortalitätsregisters für die Erforschung seltener Krankheiten, zur besseren Erfassung nicht-natürlicher Todesursachen und der Erhaltung und Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung und der sozialen Sicherung der gesamten Bevölkerung.

Der RatSWD hat mit Vertretungen des PolMine-Projekts und des MARPOR-Projekts (Manifesto Research on Political Representation), zwei beachtenswerten Beispielen für innovative politikwissenschaftliche textbasierte Forschungsansätze, die Weiterentwicklung textanalytischer Forschungsinfrastrukturen diskutiert. Zwei Bereiche stießen dabei – neben den beachtlichen Ergebnissen der Projekte selbst – auf besonderes Interesse: Einerseits stellen die Potentiale der in den letzten Jahren entstandenen Forschungsdaten (in Form von manuell codiertem Textmaterial bzw. von für automatisierte Analysen aufbereitetem Textmaterial) unter anderem mit den neuen Möglichkeiten des maschinellen Lernens (ML) einen großen (Trainings-)Schatz für automatisierte Analysen größerer Textkorpora dar. Andererseits versprechen solche in die Breite reichende Analysetools eine Anreicherung von Befragungsdaten mit Kontextdaten. Denkbar wäre dies beispielsweise für die Analyse der Medienberichterstattung während der Feldzeiten von Befragungen. Ziel ist es, insbesondere die Infrastruktur zu verbessern, um eine breitere Nutzung textbasierter Forschungsdaten zu ermöglichen.

Die nächste Sitzung des RatSWD findet am 05./06. Juli 2018 statt.

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Der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD)
berät seit 2004 die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der Forschungsdateninfrastruktur für die empirischen Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaften. Im RatSWD arbeiten acht durch Wahl legitimierte Vertreterinnen und Vertreter der sozial-, verhaltens- und wirtschaftswissenschaftlichen Fachdisziplinen mit acht Vertreterinnen und Vertretern der wichtigsten Datenproduzenten zusammen.
Er versteht sich als institutionalisiertes Forum des Dialoges zwischen Wissenschaft und Datenproduzenten und erarbeitet Empfehlungen und Stellungnahmen. Der RatSWD engagiert sich für eine Infrastruktur, die der Wissenschaft einen breiten, flexiblen und sicheren Datenzugang ermöglicht. Solche Daten werden von staatlichen, wissenschaftsgetragenen und privatwirtschaftlichen Akteuren bereitgestellt. Der RatSWD hat 31 Forschungsdatenzentren akkreditiert, deren Kooperationen er fördert.