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RatSWD positioniert sich für verbesserte Messung von Kriminalität

Pressemitteilung, 22.10.2018

Der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) hat sich umfassend mit der Qualitätssicherung und wissenschaftlichen Begleitung von Viktimisierungssurveys befasst. Solche Studien bilden einen zentralen Baustein, um ein fundiertes Bild zur Entwicklung von Kriminalität in Deutschland zu bekommen. Bisher gibt es in Deutschland nur punktuelle Versuche solcher Studien. Eine regelmäßige Durchführung (min. alle zwei Jahre), eine Stichprobengröße von min. 34.000 Befragten und ein gesicherter und langfristiger Datenzugang sowie der prozessbegleitende Einbezug der unabhängigen Wissenschaft sind zentrale Empfehlungen des RatSWD.

Gesetzgeber, Wissenschaft und Praxis benötigen valide und gut ausgebaute Kriminal- und Strafrechtspflegestatistiken. Das deutsche kriminalstatistische System genügt den Anforderungen nur noch bedingt. Es ist in mehrfacher Hinsicht optimierungsbedürftig. Hierzu erarbeitet eine vom RatSWD eingesetzte Arbeitsgruppe kurz-, mittel- und langfristig umzusetzende Empfehlungen.
In einem gesonderten Schritt entschieden die wissenschaftlichen Vertreter der AG „Weiterentwicklung der Kriminal- und Strafrechtspflegestatistik“ des RatSWD, Empfehlungen für einen Viktimisierungssurvey zu entwickeln und mit weiteren Expertinnen und Experten sowie im gesamten RatSWD zu diskutieren. Viktimisierungssurveys zielen auf eine verlässliche ganzheitliche Beobachtung der Sicherheitslage ab, wie sie in der Bevölkerung erlebt und von ihr wahrgenommen wird, und flankieren damit die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS).
Ein verstetigter bundesweiter Viktimisierungssurvey wird seit langer Zeit von der unabhängigen Wissenschaft gefordert, doch bisher konnte regelmäßige Dunkelfeldforschung in Deutschland nur punktuell auf Länderebene realisiert werden. Hier steht Deutschland international anderen Nationen wie den USA, England und Wales und den Niederlanden, die bereits seit Jahren einen fest etablierten Survey haben, deutlich nach.
Derzeit gibt es Bestrebungen, einen bundesweiten verstetigten Viktimisierungssurvey in Deutschland zu etablieren. Den konkreten Anlass für diese Stellungnahme gab der entsprechende Beschluss der Innenministerkonferenz vom 07./08.12.2017. Der RatSWD möchte diese Dynamik nutzen und Empfehlungen für die Qualitätssicherung und wissenschaftliche Begleitung von Viktimisierungssurveys aussprechen:
Der RatSWD empfiehlt u. a. den Einbezug der unabhängigen Wissenschaft und Forschung bei der Planung, Erhebung und Auswertung, bspw. in Form eines wissenschaftlichen Beirats. Dieser könnte einen hohen wissenschaftlichen Standard unterstützen und auf eine thematische Vielfalt und Grundlagenforschung hinwirken. Hinsichtlich der Stichprobengröße sollte eine Mindestanzahl von 34.000 Befragten angestrebt werden, um Veränderungen zwischen den Befragungswellen von wenigstens 10 Prozent zumindest für häufige Delikte feststellen zu können. Eine langfristige, sichere Datenarchivierung sowie der strukturierte und nutzungsfreundliche Zugang für die Wissenschaft zu den Daten des Viktimisierungssurveys ermöglicht eine erweiterte analytische Tiefe der Erkenntnisse und stellt damit durch die gleichzeitige Unterstützung von Politik, Praxis und Wissenschaft eine nachhaltige Investition dar. Wünschenswert wäre für die strukturierte und transparente Datenarchivierung und -bereitstellung eine vertrauensvolle Datentreuhänderschaft, idealerweise im Rahmen eines Forschungsdatenzentrums (FDZ).

Die Veröffentlichungen des RatSWD können gedruckt unter office@ratswd.de, oder elektronisch unter https://www.ratswd.de/publikationen bezogen werden.

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Der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) berät seit 2004 die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der Forschungsdateninfrastruktur für die empirischen Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaften. Im RatSWD arbeiten acht durch Wahl legitimierte Vertreterinnen und Vertreter der sozial-, verhaltens- und wirtschaftswissenschaftlichen Fachdisziplinen mit acht Vertreterinnen und Vertretern der wichtigsten Datenproduzenten zusammen. Er versteht sich als institutionalisiertes Forum des Dialoges zwischen Wissenschaft und Datenproduzenten und erarbeitet Empfehlungen und Stellungnahmen. Der RatSWD engagiert sich für eine Infrastruktur, die der Wissenschaft einen breiten, flexiblen und sicheren Datenzugang ermöglicht. Solche Daten werden von staatlichen, wissenschaftsgetragenen und privatwirtschaftlichen Akteuren bereitgestellt. Der RatSWD hat 31 Forschungsdatenzentren akkreditiert, deren Kooperationen er fördert.