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Forschungsförderung: Infrastruktur-Roadmaps nachjustieren und umsetzen!

Pressemitteilung, 24.09.2019

Der RatSWD hat Empfehlungen zur Gestaltung der strategisch wichtigen Roadmap-Prozesse für Forschungsinfrastrukturen veröffentlicht. Hintergrund ist die ausbleibende Beteiligung aus den Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaften (SVW) in den bisherigen Ausschreibungsrunden.

Für die betroffenen Disziplinen sieht der RatSWD die derzeit enge Definition der Investitionskosten als zentrales Hindernis für die Antragstellung an. Die Fortentwicklung der Infrastrukturen der SVW – etwa durch neue Erhebungswellen von Panelbefragungen – gelten als nicht-förderfähige Betriebskosten. Eine gezielte Vernetzung innerhalb der Disziplinen könnte Bedarfe für Infrastrukturen frühzeitig kanalisieren.

Aus den Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaften (SVW) wurde kein Vorhaben in den deutschen Roadmap-Prozessen (2013 und 2018) eingereicht. Solche Roadmaps dienen nationalen und internationalen Forschungsfördernden, wie beispielsweise dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), zur Steuerung großer Investitionen in Forschungsinfrastrukturen. Diese stellen wichtige strukturelle und forschungspolitische Weichen, die über die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Disziplinen entscheiden. Der RatSWD analysierte das ausgebliebene Engagement der SVW in den deutschen Roadmap-Prozessen und hat Empfehlungen für zukünftige Ausschreibungsrunden veröffentlicht.

Der Schwerpunkt von Forschungsinfrastrukturen der SVW liegt in der Bereitstellung von Forschungsdaten, die meist über mehrere Jahre hinweg erhoben werden und anschließend der gesamten Wissenschaftsgemeinschaft zugänglich sind. Als mögliche Hindernisse für eine Beteiligung in vergangenen Roadmap-Prozessen identifiziert der RatSWD die in den Verfahren gewählte enge Definition von Investitionskosten. Die (wiederholte) Datenerhebung etwa in Panelbefragungen oder die Ergänzung von Kohortenstudien werden nicht als Investition interpretiert, sondern den nicht-förderfähigen Betriebskosten zugerechnet. Der RatSWD sieht ebenso fehlende oder schlecht absehbare Finanzierungszusagen für die Roadmap-Projekte sowie die fehlende internationale Ausrichtung der Ausschreibung als Hinderungsgrund für eine Teilnahme an.

Daher empfiehlt der RatSWD, die Abgrenzung von Investitions- zu Betriebskosten anzupassen und das Verfahren stärker für Erweiterungsinvestitionen (z.B. weitere Erhebungswellen) und für internationale Verbünde zu öffnen. Diese Anpassungen würden die Spezifika der SVW stärker im Roadmap-Prozess berücksichtigen. Ein zweistufiges Antragsverfahren mit regelmäßigem Turnus würde zudem eine effizientere Antragstellung ermöglichen. Zur stärkeren Vernetzung von Stakeholdern könnten Ausschreibungen durch Vorfelddiskussionen in den Disziplinen begleitet und Bedarfe für disziplinspezifische Forschungsinfrastrukturen kanalisiert werden.

Der vollständige Bericht steht auf der Webseite des RatSWD zum freien Download zur Verfügung:https://doi.org/10.17620/02671.38

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Der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD)
berät seit 2004 die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der Forschungsdateninfrastruktur für die empirischen Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaften. Im RatSWD arbeiten acht durch Wahl legitimierte Vertreterinnen und Vertreter der sozial-, verhaltens- und wirtschaftswissenschaftlichen Fachdisziplinen mit acht Vertreterinnen und Vertretern der wichtigsten Datenproduzenten zusammen.

Er versteht sich als institutionalisiertes Forum des Dialoges zwischen Wissenschaft und Datenproduzenten und erarbeitet Empfehlungen und Stellungnahmen. Der RatSWD engagiert sich für eine Infrastruktur, die der Wissenschaft einen breiten, flexiblen und sicheren Datenzugang ermöglicht. Solche Daten werden von staatlichen, wissenschaftsgetragenen und privatwirtschaftlichen Akteuren bereitgestellt. Der RatSWD hat 34 Forschungsdatenzentren akkreditiert, deren Kooperationen er fördert.