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Ergebnisse der 38. Sitzung des RatSWD: Gesundheitsdaten, Big Data und Akkreditierungskriterien für Datenzentren

Pressemitteilung, 27. April 2015

Am 17. April 2015 hat sich der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) zu seiner 38. Sitzung in Berlin getroffen. Auf der Sitzung wurden vielfältige Themen zur Weiterentwicklung der Forschungsdateninfrastruktur in Deutschland diskutiert: Unter anderem zu Gesundheitsdaten, Big Data und die Akkreditierungskriterien für Datenzentren.

Seit rund zehn Jahren akkreditiert der RatSWD Datenzentren, um die Qualität der Datenzugänge zu sichern. Hierfür hat er Mindeststandards und Kriterien erarbeitet, welche durch ein Akkreditierungsverfahren nachgewiesen werden müssen. Seit fünf Jahren verfassen die akkreditierten Datenzentren zudem einen jährlichen Bericht, welcher sich an diesen Merkmalen orientiert. Um auch zukünftig eine nachhaltige Weiterentwicklung und hohe Qualität der Forschungsdateninfrastruktur in Deutschland sicherzustellen, ist eine Überarbeitung der bestehenden Akkreditierungskriterien und des Berichtwesens geplant. Auf seiner Sitzung hat der RatSWD die grundlegende Ausrichtung hierfür beschlossen. Ein besonderes Anliegen ist es ihm dabei, auch kleine Datenzentren und sich im Aufbau befindliche Projekte zu erschließen.

Des Weiteren wurde die Umsetzung von zentralen Eckpunkten des aktuellen Arbeitsprogrammes des RatSWD angestoßen:

Der RatSWD wird auf einen besseren Zugang zu Gesundheitsdaten für die Wissenschaft hinwirken. Verschiedene Einrichtungen (z. B. Krankenkassen) verfügen über umfangreiche Daten aus dem Gesundheitssystem, die der Wissenschaft meist nicht oder nur mit hohem Aufwand zur Verfügung stehen. Hier wird – unter Einhaltung des Datenschutzes – ein Zugang zu den sensitiven Daten angestrebt, wie er etwa auch bei der Deutschen Rentenversicherung oder der Bundesagentur für Arbeit besteht. In einem ersten Schritt wird der RatSWD mit zentralen Akteuren in Austausch über mögliche Zugangswege zu Gesundheitsdaten für die Wissenschaft treten.

Der RatSWD hat eine systematische Auseinandersetzung mit dem Thema Big Data beschlossen. In seiner zukünftigen Arbeit wird er insbesondere die Themen Datenzugang und Qualitätssicherung von Big Data aufgreifen. Er wird hierfür mit großen Datenanbietern in Kontakt treten, um den Zugang und die Analysepotentiale für die Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftsforschung auszuloten. Diese Entscheidung wurde im Nachgang der Festveranstaltung „Big Data – Big Trouble: Der Nutzen von Big Data für Forschung, Politik und Gesellschaft“ getroffen, welche anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des RatSWD am 16. April 2015 in Berlin stattfand. Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten Chancen und Risiken, die durch das Phänomen Big Data aufgeworfen werden.

Der RatSWD wird seine Arbeit auf internationaler Ebene stärken. Gegenwärtig begleitet er systematisch zum Beispiel das Gesetzgebungsverfahren zur neuen EU-Datenschutzgrundverordnung. Nach derzeitigem Stand wird im Sommer 2015 der Trilog zwischen dem Europäischen Rat, dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission beginnen. Ergebnis dieser interinstitutionellen Verhandlungen wird ein gemeinsamer Entwurf der Verordnung sein. Der RatSWD beobachtet diesen Prozess und wirkt koordinierend zwischen Wissenschaft, Datenanbietern und Politik. Zu konkreten Punkten der geplanten Verordnung gibt er Stellungnahmen ab, um die Belange der empirischen Wissenschaft und von Datenproduzenten in die Verhandlungen einzuspeisen. Darüber hinaus plant er ein Round Table-Gespräch mit zentralen Akteuren.

Die nächste Sitzung des RatSWD wird am 11. und 12. Juni 2015 in Berlin stattfinden.

 

Der Rat für Sozial-und Wirtschaftsdaten (RatSWD)
ist ein unabhängiges Gremium von empirisch arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Universitäten, Hochschulen und anderen Einrichtungen unabhängiger wissenschaftlicher Forschung sowie von Vertreterinnen und Vertretern wichtiger Datenproduzenten. Er wurde 2004 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung eingerichtet mit der Zielsetzung die Forschungsdateninfrastruktur für die empirische Forschung nachhaltig zu verbessern und somit zu ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit beizutragen.