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Übergabe des Abschlussberichtes der Experten des Zukunftsdialogs der Bundeskanzlerin

RatSWD Pressemitteilung, 28.08.2012

Wohlstand und Lebensqualität besser messen und empirische Ergebnisse zur Grundlage nachhaltiger Politik und öffentlicher Diskussion machen.
Experten des Zukunftsdialogs der Bundeskanzlerin betonen die Relevanz exzellenter empirischer Forschung als Grundlage für evidenzbasierte Politik.

Die Mitglieder der Expertenkommission des „Zukunftsdialogs der Bundeskanzlerin“ übergaben am 28. August 2012 der Bundeskanzlerin ihren Abschlussbericht. Die Arbeitsgruppe „Wohlstand, Lebensqualität und Fortschritt“, in der auch der Geschäftsführer des RatSWD Denis Huschka vertreten war, befasste sich mit der Herausforderung, den gesellschaftlichen Fortschritt und die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger umfassend zu messen.

„Politik kann sich heute nicht mehr allein an Messgrößen wie dem Bruttoinlandsprodukt oder der Arbeitslosenquote orientieren. Ergänzende Messgrößen, eingebettet in ein kohärentes Berichterstattungssystem, sind notwendig“, so Denis Huschka (RatSWD). „Doch viele Zahlen allein nutzen wenig, wenn es keinen Diskurs über Politikziele, Zielkonflikte und sich aus Zahlen ableitbare Handlungsoptionen gibt“, so Huschka weiter.

Neben einer Stärkung der empirischen Sozial- und Wirtschaftswissenschaft und einer systematischen Verknüpfung und Weiterentwicklung der statistischen Grundlagen für die Betrachtung gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse kommt es darauf an, das Thema „Verbesserung der Lebensqualität“ dauerhaft auf die politische Agenda zu setzen. Die Mehrheit der AG Mitglieder sprach sich für die Einsetzung eines Sachverständigenrates für Wohlstand und Lebensqualität aus. Dieser unabhängige Rat soll - so die Empfehlung der Experten - die Governance der Indikatoren und Messsysteme übernehmen, eine regelmäßige Berichterstattung zum Thema initiieren und Handlungsempfehlungen an die Politik formulieren. Neben der wissenschaftlichen Qualitätssicherung soll durch dieses Gremium auch der Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern über das Thema Lebensqualität ermöglicht werden.

„Eine einzelne Größe wie das BIP ist wenig geeignet um zu erkennen, wie man die Lebensqualität verbessern kann. Dazu ist Lebensqualität zu vielschichtig und nicht jede Gruppe hat die gleichen Bedürfnisse. Um informierte Handlungsvorschläge für die Politik geben zu können, muss man deshalb sehr differenziert messen“, so Prof. Dr. Jan Delhey, ebenfalls Mitglied der Arbeitsgruppe. „Eine gezielte Förderung und Institutionalisierung dieses Diskurses ist dringend notwendig und überfällig, andere Länder sind da schon weiter“, so Delhey weiter. Hierbei könne man sich an bereits vorhandenen Strukturen wie bspw. dem Sachverständigenrat für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung orientieren und die vielfältige bereits vorhandene wissenschaftliche Expertise in Deutschland nutzen. Das breite Angebot an relevanten statistischen Daten in Deutschland ist ein weiteres Argument dafür, den gesellschaftlichen Fortschritt nicht mehr nur auf der Basis des BIP abzubilden.

Hintergrund:
Der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) verbessert die Voraussetzungen für die empirische Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftsforschung. Damit leistet der RatSWD einen Beitrag zum besseren Verständnis darüber, wie die Gesellschaft funktioniert. Durch bessere Forschung kann die Politik ihre Entscheidungen auf solides Wissen stützen.

In den derzeit 23 durch den RatSWD akkreditierten Datenzentren finden Forscherinnen und Forscher qualitätsgesicherten Zugang zu vielfältigen Forschungsdaten über zahlreiche Bereiche des Lebens in Deutschland. Neben der Verbesserung der Dateninfrastruktur ist ein weiterer Arbeitsbereich des RatSWD die Weiterentwicklung der empirisch fundierten Politikberatung und Berichterstattung über das Leben in Deutschland.

Neben Denis Huschka, Soziologe und Politikwissenschaftler, der seit 2007 Geschäftsführer des RatSWD und seit 2011 geschäftsführender Direktor der internationalen Fachorganisation der Lebensqualitätsforscher (ISQOLS) ist, waren außerdem die Vorsitzende des RatSWD Prof. Dr. Notburga Ott, sowie PD Dr. Hilmar Schneider (Mitglied des RatSWD von 2006 – 2008) als Mitglieder der Arbeitsgruppen „Zukunft der Arbeit“ und „Integration bildungs- und arbeitsmarktferner Jugendlicher in Ausbildung und Beruf“ am Expertendialog der Bundeskanzlerin beteiligt. Prof. Dr. Jan Delhey ist Soziologieprofessor an der Jacobs University in Bremen und Mitglied des ISQOLS Direktoriums.

Im Expertendialog der Bundeskanzlerin beschäftigten sich parallel zum „Bürgerdialog über die Zukunft Deutschlands“ mehr als 100 Experten in 18 Arbeitsgruppen mit den drei Fragen „Wie wollen wir zusammenleben?“, „Wovon wollen wir leben?“ und „Wie wollen wir lernen?“. Ziel war es, einen Dialog anzuregen und Denkanstöße sowie konkrete Handlungsvorschläge für die Politik zu erarbeiten.