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Forschungspotenziale erschließen: RatSWD unterstützt moderne Wirtschaftsstatistik

Pressemitteilung, 29.10.2019

Der RatSWD begrüßt die Empfehlung aus Bund und Ländern zur Modernisierung und Digitalisierung der Wirtschaftsstatistik. Im Zentrum der Empfehlung steht ein neues Basisregister, das Unternehmensstammdaten für die wichtigsten Statistiken liefert. Mehrfacherhebungen können damit vermieden und die Forschung mit Wirtschaftsstatistiken vereinfacht werden. Zudem versprechen die Vorschläge zur Nutzung neuer Quellen für die Statistik, wie Scannerdaten aus dem Einzelhandel, qualitativ aufgewertete und aktuellere Preis- und Umsatzstatistiken. Erst ein günstiger, nutzungsfreundlicher Datenzugang für die unabhängige Forschung eröffnet jedoch das volle Analysepotential.

Der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) begrüßt den Abschlussbericht der ressortübergreifenden Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Reduzierung von Statistikpflichten vom 02.10.2019. Der Bericht adressiert nach Bewertung des RatSWD die zentralen Voraussetzungen für eine moderne amtliche Wirtschaftsstatistik. Der RatSWD hatte seine Expertise aktiv mit einer Stellungnahme sowie mit seiner Teilnahme bei der Anhörung der Arbeitsgruppe eingebracht. Es ist ihm ein besonderes Anliegen, dass die Bedarfe der empirischen Wissenschaften für qualitätsgesicherte Daten berücksichtigt und innovative Forschungsansätze gestärkt werden. Daher begleitet er aktiv auch die politischen Prozesse zur Registermodernisierung – ebenfalls ein Vorhaben der aktuellen Regierungskoalition (siehe auch PM des RatSWD vom 11.10.2017).

Von besonderer Bedeutung ist der Vorschlag der Arbeitsgruppe zur Einführung eines Basisregisters mit Unternehmensstammdaten. Die mehrfache Erhebung von Unternehmensdaten für jede einzelne Wirtschaftsstatistik kann damit vermieden und Fehlerquellen reduziert werden. Um dennoch ein umfangreiches statistisches Gesamtbild von Unternehmen zu erhalten, müssen die einzelnen Unternehmensstatistiken und ggf. weitere Datenquellen verknüpfbar gestaltet werden. Die vorgeschlagene bundeseinheitliche Wirtschaftsnummer liefert hierzu die notwendigen einheitlichen Identifikatoren.

Digitalisierungsmaßnahmen bieten nach Einschätzung des RatSWD sowohl für die Forschung als auch für die amtliche Statistik vielfältige neue Chancen. Großes Forschungspotential sieht die Wissenschaft insbesondere in der rascheren Verfügbarmachung von aktuellen Statistiken. Der Vorschlag der Arbeitsgruppe, im Rahmen einer Gesetzesnovelle zwei neue Erhebungswege zu schaffen, ist nach Einschätzung des RatSWD daher sehr zu begrüßen: Die Preis- und Umsatzstatistik könnte durch den Einsatz von Web Scraping-Methoden zur automatisierten Erfassung von Preisen im Internet sowie mittels Scannerdaten aus dem Einzelhandel effizienter gestaltet werden. Gleichzeitig ergänzen diese neuen Datenquellen die bestehenden Erhebungsmethoden qualitativ und ermöglichen potenziell eine schnellere Verfügbarkeit aktueller qualitätsgesicherter Statistiken.

Um ihr Analysepotenzial mittels innovativer Ansätze erschließen zu können, muss die modernisierte Wirtschaftsstatistik in geeigneter Form (z. B. über die vom RatSWD akkreditieren Forschungsdatenzentren) und damit unter Wahrung der datenschutzrechtlichen Anforderungen für die unabhängige Forschung zugänglich gemacht werden. Dabei sollten möglichst keine Zusatzkosten für die wissenschaftliche Nutzung anfallen.

Weitere Informationen:

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Der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD)
berät seit 2004 die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der Forschungsdateninfrastruktur für die empirischen Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaften. Im RatSWD arbeiten acht durch Wahl legitimierte Vertreterinnen und Vertreter der sozial-, verhaltens- und wirtschaftswissenschaftlichen Fachdisziplinen mit acht Vertreterinnen und Vertretern der wichtigsten Datenproduzenten zusammen.

Er versteht sich als institutionalisiertes Forum des Dialoges zwischen Wissenschaft und Datenproduzenten und erarbeitet Empfehlungen und Stellungnahmen. Der RatSWD engagiert sich für eine Infrastruktur, die der Wissenschaft einen breiten, flexiblen und sicheren Datenzugang ermöglicht. Solche Daten werden von staatlichen, wissenschaftsgetragenen und privatwirtschaftlichen Akteuren bereitgestellt. Der RatSWD hat 34 Forschungsdatenzentren akkreditiert, deren Kooperationen er fördert.